taz - Deutschland | Samstag, 23. Dezember 2006
Peter Sloterdijk über den übererotisierten Westen
Die Rückkehr zur Religion ist für den deutschen Philosophen Peter Sloterdijk kein Weg zur Seelentröstung und Heilsfindung, wie er Jan Feddersen und Susanne Lang in einem langen Interview rund um Weihnachten, Gott und die Welt erklärt: "Die Religionen sind bis auf weiteres eher Teil des Problems als der Lösung. Gäbe es den Weltgeist, würde er jetzt wohl statuieren: Der zivilisatorische Weg ist allein noch offen. Tatsächlich stehen sich auf der großen Bühne zwei Komplexe gegenüber, die in sich total unausbalanciert sind: ein übererotisierter, von der Gier verwüsteter Westen, andererseits ein überthymotisierter, vom Ressentiment verwüsteter Naher und Mittlerer Osten. Ohne Rebalancierung ist nach beiden Seiten die globale Selbstzerstörung programmiert."
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