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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Montag, 8. Januar 2007

Andrzej Stasiuk über Rumänien

Das alte Europa hat seinen Abenteuergeist verloren, sagt Andrzej Stasiuk im Interview mit Gerhard Gnauck. Deswegen habe es auch keine Ahnung davon, wie aufregend die neuen Länder Europas sind. Zum Beispiel Rumänien: "Eines der schönsten Länder Europas. Ich habe immer gesagt: eine Art Polen, nur noch wunderbarer. Eine höchst komplizierte Identität: eine romanische Sprache, direkter Erbe des klassischen Lateins, eingepfercht zwischen barbarische slawische Dialekte und die wilde Steppensprache der Magyaren. Der östlichste romanische Stamm und zugleich der einzige orthodoxen Glaubens. Über Jahrhunderte eine Beute der Türkei, Ungarns oder Russlands. Wie Polen ein 'Vorposten des Christentums', das heißt: ständig Feuerschein und Pferdegetrappel. Zugleich eine wunderbare Landschaft und Architektur. Die Karpatendörfer in der Maramures sind wie eine Sagrada Familia aus Holz, und das Donaudelta ist ein Naturwunder, europäische Tropen: Welse, so groß wie Haifische, und Schwärme von Pelikanen, die Pterodaktylen gleich über einer absolut archaischen Landschaft schweben. Ach, Rumänien ist so viel wert wie die Niederlande und Belgien zusammen."

» zur gesamten Presseschau vom Montag, 8. Januar 2007

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