Die Welt - Deutschland | Montag, 19. Februar 2007
Eine politisch korrekte Berlinale
Hanns-Georg Rodek ist der Bilderbogen des Berlinale-Wettbewerbs zu historisch-politisch-korrekt geraten: "Im Berlinale-Jahrgang 2007 hätte man beinahe jedes große zeitgeschichtliche Ereignis des 20. Jahrhunderts illustrieren können; den Massenmord an den Armeniern ('La masseria delle allodole'), die deutsche Einverleibung der Tschechoslowakei ('Ich habe den englischen König bedient'), die KZs ('Die Fälscher'), den Zweiten Weltkrieg ('Letters from Iwo Jima'), den beginnenden Kalten Krieg ('The good German'), den sich fortsetzenden Kalten Krieg ('The Good Shepherd'), den Ungarnaufstand ('Kinder des Ruhms'), die südamerikansischen Militärdiktaturen ('Das Jahr als meine Eltern in Urlaub waren'), die Apartheid ('Goodbye Bafana'), den Beginn der Aids-Pandemie ('Les Temoins'), die israelische Besetzung des Libanon ('Beaufort')... Ein History Overkill. Geschichtsfilme erliegen häufig der Illusion, ihre historische Botschaft sei die ganze Miete. Es ist aber nur die halbe, denn eine politische Aussage enthebt sie nicht der Pflicht, ... eine künstlerische hinzuzufügen. So lassen uns Berlins Wettbewerbe zunehmend durstig zurück."
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