Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Mittwoch, 14. März 2007
Eric Gujer über die Großmacht Deutschland
Deutschlandkorrespondent Eric Gujer analysiert, wie Deutschland seine Rolle in der Weltpolitik sieht: "Die deutsche Außenpolitik befindet sich in einem Übergangsstadium. Dies beginnt bei der Selbstwahrnehmung. Die Bundesrepublik sei eine europäische Mittelmacht, hieß es früher. Und als Mittelmacht sieht man sich immer noch, obwohl sich die Rahmenbedingungen verändert haben. Die Revision der 1945 in Potsdam zementierten Machtverhältnisse brachte der zu Russland geschrumpften Sowjetunion, aber auch Frankreich einen Bedeutungsverlust, während die Bundesrepublik zu den Gewinnern der 'neuen Weltordnung' zählt. Sie zieht ihre Stärke nicht mehr wie im Kalten Krieg allein aus ihrer wirtschaftlichen Potenz. Gemeinsam mit einer Handvoll anderer Staaten besitzt sie die kritische Größe, um internationale Politik zu gestalten. Das wiedervereinigte Deutschland ist zu einer Großmacht herangewachsen, gleichwohl klammert man sich an das Biedermeier-Ideal einer Mittelmacht."
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