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taz - Deutschland | Mittwoch, 28. März 2007

Zafer Senocak über die hermeneutische Krise des Islam

Der aus der Türkei stammende deutsche Schriftsteller Zafer Senocak kritisiert, die Auseinandersetzung muslimischer Gelehrter mit dem Koran sei rein scholastisch. "Im Islam gibt es keine korankritischen Muslime. Es ist offensichtlich, dass die Muslime ohne eine textkritische Auseinandersetzung mit dem Koran in den modernen Gesellschaften nicht weiterkommen... Das Scheitern an den Herausforderungen der Moderne hat nicht nur soziale, sondern auch pathologische Folgen. Vor allem für die Männer, die von ihrem hohen Ross absteigen müssen. Es schafft auch jenes Bild des nicht integrierbaren, ja gefährlichen Muslims, hinter das sich alle Kräfte versammeln und bequem machen, die ein Problem mit dem Fremden schlechthin haben. Aus der hermeneutischen Krise der Muslime wird eine Krise der offenen Gesellschaft, ein Scheitern des Multikulturalismus konstruiert, als gäbe es in unserer Welt überhaupt noch so etwas wie eine kulturelle Homogenität. Plötzlich erscheinen Moscheebauten in deutschen Städten und der Gebetsruf des Muezzins im selben Kontext wie Zwangsehen und Ehrenmorde."

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