Die Welt - Deutschland | Freitag, 20. April 2007
Politische Morde in der Türkei
Der Schriftsteller Zafer Senocak beklagt, dass es in der Türkei kaum mehr ein Bewusstsein dafür gibt, dass in Anatolien "bis vor einhundert Jahren Muslime, Christen und Juden weitgehend friedlich zusammen" lebten. "Von alledem ist heute nichts mehr übrig. Unduldsamkeit, Gewalt und Hass sind die Alltagsgefühle der islamischen Welt. Eine Tragödie mit weitreichenden Folgen. Die Türken, jedenfalls in ihrer überwiegenden Mehrheit, würden sich so gern davon absetzen. Sie würden so gern anders sein als der Iran mit seinem wahnhaften Präsidenten, als die arabischen Länder mit ihren despotischen Herrschern und fanatisierten Massen... Längst hat in der Türkei der Nationalismus jene emotionale Leere besetzt, die die Religion hinterlassen hat. Hier und da bildet er auch eine Allianz mit den kruden Resten eines Glaubens, der vor allem eins ist: fremdenfeindlich, menschenverachtend. Das ist der Ungeist, aus dem die entsetzlichen Verbrechen gegen Andersgläubige begangen werden. Mögen die Taten von Einzeltätern oder kleinen radikalen Gruppen begangen werden: Sie werden von einer Stimmung genährt und gestützt, die Breitenwirkung besitzt, einer Pogromstimmung, einer Folge verdrängter Schuld - eine moralische Katastrophe."
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