Die Zeit - Deutschland | Donnerstag, 26. April 2007
Peter Sloterdijk über Fern-Nachbarschaften
Der Philosoph Peter Sloterdijk denkt über die "Globalisierung des Mitgefühls" nach - Anlass ist das Intellectual-Live-8-Forum für Afrika, das kommende Woche in Berlin stattfindet. Er konstatiert einen "moralischen Weltklimawandel", gar einen moralischen "Global-Warming-Effekt", für den seiner Ansicht nach die "modernen Raumvernichtungstechniken verantwortlich [sind], an erster Stelle die schnellen Transportmittel und ultraschnellen Nachrichtentechniken. Sie haben dafür gesorgt, dass ein völlig neues System virtueller Nachbarschaften, virtueller Solidaritäten und Kommunitäten entstanden ist, mit deren Auftauchen die Basisdaten der konventionellen Soziologen außer Kraft gesetzt wurden. Man muss nicht mehr zusammenleben, um verbunden zu sein; man muss nicht mehr verwandt sein, um füreinander etwas übrig zu haben; man muss keine gemeinsamen Illusionen nähren, um sich miteinander zu solidarisieren; man muss sich nicht persönlich gesehen haben, um füreinander etwas zu tun. Ich nenne die Summe dieser Verhältnisse: Fern-Nachbarschaften... Wenn man von dem Abenteuer der Moral hat sprechen können - wird es im kommenden Jahrhundert nicht vor allem in der Kultivierung der Fern-Tugenden bestehen?"
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