Frankfurter Rundschau - Deutschland | Montag, 30. April 2007
Die Türkei und ihr Militär
Gerd Höhler nimmt die Gefahr eines Militärputsches in der Türkei durchaus ernst: "Zwar gehört die Westorientierung der Türkei zu den Postulaten des Republikgründers Atatürk, dessen Erbe die Generäle vorgeblich bewahren wollen. Doch sie haben diese Westorientierung immer schon mehr transatlantisch als europäisch definiert... Vor die Wahl gestellt, auf ihre traditionelle Rolle als politische Oberaufseher oder auf den Beitritt zur EU zu verzichten, würden sich die meisten türkischen Militärs ohne zu zögern gegen die EU und für ihre 'Militärdemokratie' entscheiden.... Rollen also nun wieder, wie zuletzt 1980, die Panzer in Ankara? Wohl kaum. Denn die Generäle haben überdies ihr Instrumentarium politischer Interventionen längst 'verfeinert'. Das beweist auch ihr Ultimatum. Dass es nicht als vertrauliches Dossier übermittelt wurde, sondern für alle Welt öffentlich ins Internet gestellt wurde, soll ihm besonderen Nachdruck verleihen. Schon die Absetzung des islamistischen Premiers Erbakan 1997 zeigte: Panzer müssen gar nicht mehr rollen, es reicht bereits die Androhung eines Staatsstreichs."
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