Observator Cultural - Rumänien | Dienstag, 8. Mai 2007
Andrzej Stasiuk über die Donau als europäischen Fluss
Das Magazin druckt einen Text des polnischen Schriftstellers Andrzej Stasiuk über die Donau. "Die Donau fließt gegen die Zeit. Sie wälzt das Wasser der Gegenwart in die Vergangenheit, die Aktualität ins Zeitlose. Sie ist so lang wie sie alt ist. Im Delta leben uralte Welse und Scharen von Pelikanen, die aussehen wie fliegende Reptilien. Im Delta findet man Schlamm aus den hintersten Gegenden Europas. Die riesigen Rinder und Schweine im Hafen Murighiol weiden ungestört. In der Abenddämmerung ziehen sie sich ins Schilf zurück... Die Donau ist ein Strom der Reflexionen, ein Gewässer der Meditation, das unversöhnliche Dinge zusammenbringt. Der Fluss beginnt in der freien Demokratie, die Wohlstand und Frieden huldigt, nach einer Zeit gelangt er in eine Gegend, in der bis vor kurzem die blutigsten Schlachten ausgetragen wurden, in der Grausamkeit, Rache und Armut ohne Scham am helllichten Tag herumgeistern. So unterschiedlich die Donau ist - unter allen Flüssen ist sie der europäischste."
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