Le Nouvel Observateur - Frankreich | Donnerstag, 24. Mai 2007
Zygmunt Bauman über den Sicherheitswahn
In einem Interview mit Gilles Anquetil und François Armanet vertritt der britisch-polnische Soziologe Zygmunt Bauman die Ansicht, dass der aktuelle Sicherheitswahn mit der Natur der modernen Ängste zusammenhängt. "Denn zwei Ursprünge [der Angst], die Ungewissheit und die Unsicherheit, entweichen derzeit der Kontrolle aller Kräfte, die zu einer entschiedenen, abgestimmten und effektiven Aktion fähig wären. Das betrifft vor allem den Nationalstaat. Der Wunsch, diese Ängste zu bezwingen, führt zu einer Überbewertung des Aspekts... der persönlichen Sicherheit (indem man versucht Fremde, Eindringlinge und unerwünschte Menschen loszuwerden, das kriminelle Lumpenproletariat der Vorstadt-Ghettos, die betrügerischen Vertreter der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, die uns heimsuchenden Bettler, Herumtreiber, Spanner und anderen Unruhestifter, unhöfliche Nachbarn, Raucher, Sexualverbrecher usw.). Denn das ist der einzige Bereich, in dem die politische Macht und die Sicherheitsverkäufer handeln sowie unter Beweis stellen können, dass sie handeln."
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