Rzeczpospolita - Polen | Samstag, 2. Juni 2007
Polens neuer Literaturkanon
Der polnische Erziehungsminister Roman Giertych, der der nationalkonservativen Liga der polnischen Familien angehört, will die verpflichtende Schullektüre europäischer Klassiker zugunsten christlicher Erbauungsliteratur ändern. In seiner Glosse versucht der Publizist Bronisław Wildstein die Beweggründe nachzuvollziehen, die das Ministerium bei der Änderung des offiziellen Literaturkanons leiten: "Mit Gründen der nationalpolnischen Tradition ließe sich die Beseitigung Goethes – weil er Deutscher war -, Kafkas – weil er Jude war (und auf deutsch schrieb) -, eventuell Gombrowiczs – weil er wohl schwul war-, erklären... Überhaupt nicht dazu passt die Beseitigung Dostojewskis, denn er war Russe (und die Nationalpolen mochten ihre slawischen Brüder) und leidenschaftlicher Christ, dazu noch antirevolutionär und antifortschrittlich... Man hört, dass schon Internetbuchhandlungen für die von Giertych ausgeschlossenen Bücher werben. Geht es also um Reklame oder ist es doch nur gewöhnlicher Blödsinn?"
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