Tribune de Genève - Schweiz | Montag, 4. Juni 2007
Medienkritik nach Organ-Spende-Show
Erst am Ende der Sendung "The Big Donor Show", die am 1. Juni ausgestrahlt wurde, haben die holländischen Fernsehzuschauer erfahren, dass es sich um ein Fake handelte. Der Sender BNN erklärte, dass mit dieser Aktion die Aufmerksamkeit der Bevölkerung für das Problem der Organspenden geweckt werden sollte. Jean-Noël Cuénod findet das nicht überzeugend und beklagt, mit dem Fernsehen gehe es bergab: "Der niederländische Produzent [Endemol] tut nichts anderes, als sich von der allgemeinen Gemütslage inspirieren zu lassen. Die Diktatur des Gefühls ist in uns so tief verankert, dass wir alle, mehr oder weniger, Endemol in unseren Köpfen haben. Wie der Abhängige, der seine Dosis stets erhöhen muss, um noch einen Effekt seiner Droge zu spüren, brauchen wir immer stärkere Gefühle. Damit wir uns bewegen, muss man uns anrühren, und um uns anzurühren, muss man nichts weniger als Tabus brechen... In dieser Gesellschaft, die gleichzeitig technikverliebt und sentimental ist, wird Vernunft ein Schimpfwort, und der Wunsch zu verstehen eine bösartige Geisteskrankheit. Unser neuer medienwirtschaftlicher Kapitalismus braucht keine Bürger mehr, sondern Konsumenten."
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