Die Presse - Österreich | Freitag, 15. Juni 2007
Österreichs Umgang mit seiner NS-Vergangenheit
"Österreich ist heute erwachsener als vor der Ära Waldheim", bilanziert Michael Prueller: "Was sich da im Jahr 1986 abgespielt hat, kann aber nur nebensächlich als Auseinandersetzung zwischen einem Politiker und seinen Widersachern gesehen werden, die teilweise dreistere Unwahrheiten über Waldheim verbreitet haben als er selbst. Es war die große Stunde der 'terribles simplificateurs', der schrecklichen Vereinfacher. Das sieht man auch heute wieder, wenn Waldheims Rolle als 'unfreiwilliger Aufklärer' gewürdigt wird, dessen 'Affäre' mitgeholfen habe, den 'Opfermythos' Österreichs zu zerstören. Es ging damals nämlich vielfach nicht um eine differenzierende Betrachtung anstelle der offiziellen Linie des 'überfallenen Österreich', sondern um den ... Versuch, den Opfermythos durch einen 'Tätermythos' zu ersetzen. Der wird aber der Geschichte genauso wenig gerecht."
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