Le Temps - Schweiz | Donnerstag, 28. Juni 2007
Paris lehrt schlechtes Benehmen
"Man sagt oft, die Pariser seien unhöflich, vor allem, wenn man ihr Verhalten mit dem vergleicht, das in der Schweiz üblich ist: Dort sind die Leute geradezu übermäßig korrekt." Für den Paris-Korrespondenten Sylvain Besson kommt dieser schlechte Ruf nicht von ungefähr: "Nach fast 20 Monaten in der französischen Hauptstadt kann ich bezeugen: Das Leben in Paris übt einen Druck aus, der dazu führt, dass gute Manieren nahezu automatisch verschwinden... Ich bin schon soweit, dass ich den buchstäblich trockenen Ton bestimmter Kellner in Bars und Restaurants der Stadt verstehe. Unhöflich zu sein ('Fragen Sie meinen Kollegen!', 'Ich bediene hier nicht!'), verleiht einem Bedeutung und es ist eine natürliche Reaktion auf ein Übermaß an Stress. All das, was im Alltag nie perfekt ist - die langen Schlangen auf der Post, die Leute, die Ihnen das Taxi vor der Nase wegschnappen, die Beamten, die Sie von oben herab behandeln - all das trägt zu dieser Unhöflichkeit bei."
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