Frankfurter Rundschau - Deutschland | Dienstag, 7. August 2007
Zafer Senocak über die postmuslimische Gesellschaft
Welche Rolle die Kultur für die sich im Umbruch befindende türkisch-muslimische Gesellschaft spielt, analysiert der aus der Türkei stammende deutsche Autor Zafer Senocak. "Die geschlossene Gesellschaft kann letztendlich nur durch eine Kultur der Individualisierung aufgebrochen werden. Dadurch wird die Gemeinschaft herausgefordert und transformiert. Diese Transformation findet ihren Ausdruck früher oder später auch in der Kunst. Der türkische Roman, der türkische Film sind die Orte, an denen sich die Modernisierung der türkischen Gesellschaft manifestieren sollte. Dabei geht es nicht darum, einen 'muslimischen' Roman zu schreiben. Dieser Versuch wäre ebenso wenig ergiebig wie alle anderen Versuche, Kunst im Namen einer Religion oder einer Ideologie zu schaffen. Wohl aber ist die mentale und psychische Topographie der Menschen, die einem gesellschaftlichen und kulturellen Wandel ausgesetzt sind, ein wichtiges Thema. Die Spiritualität in einer postmuslimischen Gesellschaft etwa hat noch keinen originellen Ton."
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