Le Temps - Schweiz | Montag, 13. August 2007
Locarno - das Festival der Nickerchen
Der japanische Regisseur Masahiro Kobayashi hat am 11. August beim Filmfestival in Locarno für seinen Film "Ai No Yokan" ("Eine Ahnung von Liebe") den Goldenen Leoparden gewonnen. "Dieses unendlich subtile Werk ist ohne Zweifel eines der radikalsten, das jemals auf der Piazza Grande ausgezeichnet wurde... Eine alte Leier besagt: Die Filme von Locarno kommen nicht sofort in die Kinos. Mehr noch, sie kommen gar nicht raus, weil Locarno die radikalsten (sprich: die langweiligsten) Regisseure einlädt. Das ist nicht völlig falsch: In diesem Jahr musste man einige Nickerchen machen", gibt Thierry Jobin zu, verteidigt aber dennoch die Auswahl der Organisatoren. "Vermutlich werden Sie 'Ai No Yokan' niemals sehen. Locarno kann nichts dafür. Locarno kann gegen den Markt nichts ausrichten. Locarno kann auch einer Kulturpolitik nichts entgegensetzen, die sich in der Schweiz und außerhalb - was das Kino betrifft - an den Zuschauerzahlen, dem Marktanteil und der Popularität orientiert. 2007 war deshalb das Festival mehr denn je die letzte Bastion der wirklichen Debatte, die geführt werden muss, nämlich die über Vielfalt."
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