Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Dienstag, 21. August 2007
Thomas Steinfeld über die Heuschreckenmetaphorik
Auch der Wirtschaftsjournalismus ist vor billiger Metaphorik nicht gefeit, stellt der Kulturjournalist Thomas Steinfeld mit Befriedigung fest. Er untersucht das Bild der Heuschrecke, die für den schonungslosen, menschenverachtenden, alles verschlingenden Kapitalismus herhalten muss. "Als der moderne Spekulant zum ersten Mal die Bühne der Literatur betrat, in den achtziger Jahren, da brachte er Helden hervor, Freibeuter, Piraten der sich globalisierenden Finanzwirtschaft. Tom Wolfe hat diesen 'masters of the universe' in seinem Roman 'The Bonfire of the Vanities' (1987) ein Denkmal gesetzt... Der jüngste spekulative Wahn aber hat keine Heroen mehr produziert - zu klein, zu erbarmungslos, zu austauschbar sind ihre Aktivitäten, sodass der bekannte Vergleich aus dem Reich der Insekten keinesfalls als nur zufällig gewählt erscheint. Die Protagonisten der entfesselten Finanzwirtschaft sind, schön marxistisch ausgedrückt, Agenten des Kapitals. Weiter nichts."
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