Lidové noviny - Tschechien | Dienstag, 28. August 2007
Bohumil Doležal sieht Mitteleuropa auf dem Weg in die Krise
Die tschechisch-österreichischen Beziehungen sind schlecht: Über die US-Raketenabwehr, das tschechische Atomkraftwerk Temelin und die Nachkriegsvertreibung gibt es konträre Ansichten. Der tschechische Politologe Bohumil Doležal meint, die Verschlechterung dieser Beziehung sei Teil eines "mitteleuropäischen Trends. Polen emanzipiert sich von Russland, Deutschland und der EU. Tschechische Konservative denken darüber nach, gemeinsam mit Polen und den USA gegen einen imaginären deutsch-russischen Block vorzugehen. Die slowakisch-ungarischen Beziehungen werden von Minderheitenproblemen getrübt... Das Problem Mitteleuropas (und der EU) ist, dass die Integration der neuen Länder auf dem unmoralischen Versuch beruht, eine neue Ordnung zu schaffen, indem man die ungelösten Probleme der Vergangenheit unter den Teppich kehrt (vor allem die massenhaften Verbrechen an der Zivilbevölkerung der Verlierer nach Ende des Zweiten Weltkriegs). Das hat bei den 'Siegern' zu Minderwertigkeitsgefühlen aufgrund eines schlechten Gewissens geführt und bei den 'Verlierern' zu Beleidigtsein und dem Versuch, Stellvertreterprobleme zu lösen, nachdem die eigentlichen Probleme zum Tabu erklärt worden waren."
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