Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Mittwoch, 29. August 2007
Abdullah Gül zum türkischen Präsidenten gewählt
Kai Strittmatter beschreibt, wie den Gegnern Güls die Argumente ausgingen und nur noch ein Thema blieb: Das Kopftuch von Hayrünnisa Gül. "Ein bärtiger Mann mit einer kopftuchtragenden Frau. Einer Frau, die ihr Kopftuch zudem nicht locker nach alter türkischer Tradition knüpft, sondern fest unterm Kinn, sodass kein Ansatz von Haar und Hals zu sehen ist. Die Armee hat keine Gelegenheit ausgelassen zu erklären, dass das für sie der größte anzunehmende Unfall ist. Und für das Land? Ist es ein weiterer Schritt in die Normalität. 70 Prozent haben bei einer Umfrage der liberalen Zeitung Milliyet gesagt, es sei egal, ob die Präsidentengattin Kopftuch trage. Fast ebenso viele finden nichts dabei, wenn der Präsident religiös ist. Sie trauen Gül trotzdem zu, die säkulare Verfassung der Türkei zu schützen. Die Gül-Gegner werden jeden Schritt des Ehepaars beobachten, auf den kleinsten Fehltritt lauern. Wie oberflächlich aber ihre alte Kleiderordnung ist, zeigte sich in den letzten Jahren unter der AKP-Regierung: Mit einem Male waren die schnauzbärtigen Religiösen die Weltoffenen geworden und die vermeintlich Säkularen in ihren feinen Anzügen die Ewiggestrigen."
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