Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Freitag, 14. September 2007
Sonja Margolina über Missverständnisse bei der Vergangenheitsbewältigung
Sonja Margolina antwortet auf Überlegungen von Richard Wagner zum Umgang mit der Geschichte in Ostmitteleuropa und verweist unter anderem darauf, dass Vergangenheitsbewältigung in Ost und West ganz anderes interepretiert wird: "Arbeitet man die eigene Vergangenheit auf, kann man sie hinter sich lassen, lautet die europäische Weisheit. Doch sie trügt. Denn ihr steht eine andere Erkenntnis entgegen: Geschichte ist die Politik, die in die Vergangenheit projiziert wird. Deshalb verhält es sich mit der 'Vergangenheitsbewältigung' genau umgekehrt: Sie entpuppt sich als Instrument der aktuellen Politik. So geht die Integration in die EU in einigen ostmitteleuropäischen Ländern mit einer merkwürdigen, destruktiven Politik einher. Kommt man schon beim Gebaren der Kaczyński-Brüder nicht aus dem Staunen heraus, sind auch die Balten für Überraschungen gut."
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