Die Welt - Deutschland | Dienstag, 27. November 2007
Andrzej Stasiuk nimmt Abschied von der Zwillingsherrschaft
Mit der neuen Regierung von Donald Tusk werde es in der polnischen Politik wieder langweilig werden, vermutet Andrzej Stasiuk. Er werde die Doppelherrschaft der Brüder Kaczyński (von denen der eine, Lech Kaczyński, noch als Präsident im Amt ist) vermissen: "Die Brüder an der Macht waren theatralische Wesen. Jede ihrer Gesten, jedes Wort, jeder Auftritt hatte etwas Dramatisches. Sie konnten komisch sein wie in einer Komödie, doch nie waren sie platt wie in einer Seifenoper. In ihren rundlichen Körpern und unter der Maske ihrer kindlichen Gesichter brodelten Emotionen, die die moderne, fade Politik zur Verbannung oder zu einer schamhaft verborgenen Existenz verurteilt hatte. Die Brüder haben dem tiefsten Menschentum eine Stimme gegeben. Sie waren nachtragend, rachsüchtig, rücksichtslos, voller Komplexe, bösartig und kleinlich. Und so authentisch, dass es wehtat. Dafür hat sie das einfache Volk geliebt."
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