Le Monde - Frankreich | Mittwoch, 9. Januar 2008
Daniel Vernet über das 'Kompromat'
Die ehemaligen Staaten der Sowjetunion haben immer noch Schwierigkeiten, sich aus dem Sowjetsystem zu lösen, stellt Daniel Vernet mit Bedauern fest. "Weder in Georgien noch in den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken hat sich eine Kultur freier, transparenter und demokratischer Wahlen etablieren können... Wahlen werden immer noch als Mittel verstanden, das der herrschenden Macht scheinbare Popularität verleiht, statt einen Machtwechsel einzuleiten. Der erste Reflex der Behörden ist es deshalb, das Wählervotum auf unterschiedliche Weise zu manipulieren, mal eher grobschlächtig, mal sehr ausgeklügelt. Der Opposition obliegt es dann, das Resultat anzuzweifeln, noch bevor die Wahlergebnisse vorliegen. Auf dem Schlachtfeld der Politik ist man nirgendwo vor Schlägen unter die Gürtellinie gefeit: Das 'Kompromat', das 'kompromittierende Material', das vom Geheimdienst beschafft wird oder aus dessen Archiven stammt, bleibt in diesen Länder gängige Praxis, um dem politischen Gegner zu schaden. Ein Andersdenkender ist nicht nur ein Gegner, sondern ein Feind, den man vernichten muss."
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