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Die Welt - Deutschland | Montag, 13. Februar 2006

"Hamburger Lektionen" auf der Berlinale

Sehr beeindruckt zeigt sich Hanns-Georg Rodek von Romuald Karmakars Film "Hamburger Lektionen", der am Wochenende auf der Berlinale lief. Karmakar lässt hier den Schauspieler Manfred Zapatka eine Predigt des Hamburger Islamisten Mohammed Fazaz verlesen, der eine 30-jährige Gefängnisstrafe in Marokko absitzt. "Karmakars 'Hamburger Lektionen' erfüllen auf altmodische Art eine der frühesten Aufgaben des Kinos, das Liefern von Informationen, die anderswo nicht erhältlich sind. Diese Funktion ist dem Kino seit Ende der Wochenschauen um 1970 verloren gegangen, Karmakar belebt sie neu, denn das Transkript der Imam-Rede ist allenfalls beim Bundeskriminalamt einzusehen und dort in einer wesentlich ungenaueren Übersetzung aus dem Arabischen. Indem er den Text von einem Schauspieler vortragen läßt, nimmt er ihm einen Teil der Emotionen, die mit dem Urheber verbunden werden. Wir achten mehr auf den Aufbau der Argumente und die innere Logik der Folgerungen; es ist ein Gedankengebäude, das vor uns entsteht, kein Sammelsurium provozierender Zitate. Die daraus sprechende Intoleranz ist damit kein Jota weniger unakzeptabel, aber das große Mysterium eines lodernden Fanatismus wird plötzlich begreifbar."

» zur gesamten Presseschau vom Montag, 13. Februar 2006

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