El País - Spanien | Dienstag, 15. April 2008
Ulrich Beck über den Ruf nach staatlicher Intervention
Der deutsche Soziologe Ulrich Beck vertritt die These, die marktwirtschaftliche Doktrin habe an Kraft verloren. "Erster Akt im Stück 'Die Risikogesellschaft': Tschernobyl. Zweiter Akt: Die Bedrohung durch die Klimakatastrophe. Dritter Akt: Der 11. September. Vierter Akt: Der Vorhang öffnet sich mit den Risiken der globalen Finanzmärkte. Radikale Neoliberale betreten die Bühne, die dann plötzlich ihren Glauben an den Markt verlieren, um an den Staat zu glauben. Heute bitten und betteln sie, sie flehen um eine wohltätige Intervention des Staates und um Millionenzuschüsse... Diese Konvertiten-Komödie wäre sehr hübsch, wenn sie nicht derzeit auf der Weltbühne aufgeführt würde und nicht den bitteren Beigeschmack der Realität hätte. Denn nicht Arbeiter, Sozialdemokraten und Kommunisten, nicht Arme oder Sozialhilfeempfänger verlangen Hilfe vom Staat zur Rettung der Wirtschaft. Es sind vielmehr Bankdirektoren und die Verantwortlichen der Weltwirtschaft."
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