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Zeit Online - Deutschland | Dienstag, 3. Juni 2008

Ist Europa das Venedig der globalisierten Welt?

Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer fragt sich, ob "Europa ein ähnliches Schicksal wie einst die Republik Venedig ereilen" wird: "Eine große und stolze Vergangenheit, ein weltweiter Tourismusmagnet, aber ohne Zukunft? ... Das Zentrum der globalen Entwicklung verschiebt sich Jahr um Jahr immer mehr von West nach Ost, und das Entwicklungstempo der aufsteigenden Mächte in Ost- und Südasien dominiert die zukünftige Verteilung von Macht und Reichtum. ... Durch die Entdeckung Amerikas verlagerte sich einst der politisch-wirtschaftliche Schwerpunkt vom Mittelmeer in den Atlantik. Dies war der Beginn von Venedigs Niedergang. ... Die Europäer müssten daher ... [der] Krise der westlichen Führungsmacht USA einen europäischen Aufbruch entgegensetzen, um einen Niedergang des Westens insgesamt zu verhindern. ... Aber noch sehr viel ernster wird es für die Zukunft der EU in diesem Monat in Irland. Dort wird es eine Volksabstimmung über den Lissabon-Vertrag geben. Gewinnt dabei das Nein, was bis zur Stunde völlig offen ist, dann ist der Reformvertrag ebenso gescheitert wie zuvor der Europäische Verfassungsvertrag. ... Von einer starken Union würde man sich dann wohl für sehr lange Zeit verabschieden müssen. Wenn hingegen die Mehrheit der Iren dem Reformvertrag zustimmt, wird sich Europa unverzüglich daran machen können, seine Zukunft zu bauen und zum Subjekt statt zum Objekt der entstehenden Neuen Weltordnung zu werden."

» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 3. Juni 2008

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