Le Monde - Frankreich | Freitag, 6. Juni 2008
Keine gemeinsame Vision von Europa
Die Tageszeitung Le Monde beklagt, dass die europäischen Intellektuellen kein gemeinsames Europabild haben: "Es gab nur wenige Intellektuelle, die sich für den europäischen Einigungsprozess interessiert haben, als er Mitte des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss von Jean Monnet und Robert Schuman begann. Viele von ihnen waren so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg einer Vereinigung des alten Kontinents nicht sehr zugeneigt. Auch später sind sie der Gemeinschaft eher fern geblieben - die einen, weil sie sie für zu technokratisch hielten, die anderen weil sie ihnen als pro-amerikanisch und antisowjetisch erschien. Diese Entfremdung dauerte mehrere Jahrzehnte an, doch seit einiger Zeit scheint sich die Situation geändert zu haben. Wissenschaftler stellten fest, dass sich die theoretischen Abhandlungen über die Legitimität der EU seit dem Vertrag von Maastricht stetig vermehrt haben. Hat diese intensive Reflexionsarbeit den Denkern erlaubt, sich auf eine gemeinsame Vision von Europa oder ... ein 'gemeinsames Manifest' zu verständigen? ... Die Antwort fällt heute eher negativ aus. Die einzelnen nationalen Abhandlungen sind zu unterschiedlich, um zu einer gemeinsamen Geschichte zu führen. Sie kommen aus unterschiedlichen politischen Kulturen, deren Repertoire sehr verschieden ist."
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