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Népszabadság - Ungarn | Donnerstag, 9. März 2006

Miklos Gaspar Tamas über das Selbstverständnis der ungarischen Republik

1944 wurde der Kommunist und Antifaschist Endre Ságvári von Polizeibeamten erschossen. Einer von ihnen wurde nach 1956 zum Tode verurteilt. Jüngst wurde der Prozess neu aufgerollt, das Oberste Gericht hob das Todesurteil auf. Über die Bedeutung des Urteils schreibt der Philosoph Miklós Tamás Gáspár: "Mit diesem Urteil bricht Ungarn die Kontinuität der 1946 gegründeten zweiten Republik. Denn deren Grundlage war die Annahme, dass die politischen Richtungen im Parlament und in der Öffentlichkeit - von den Kommunisten bishin zu den konservativen Katholiken - eines gemeinsam haben: sie sind antifaschistisch und antihitleristisch, lehnen die Tradition der Latifundien und der Soldateska im 'historischen' Ungarn ab. Diese Gemeinsamkeit wurde weder 1956 noch 1989 in Frage gestellt. Nun aber delegitimierte der demokratische Staat die Republik Ungarn, den antifaschistischen Kampf, den Widerstand - auch wenn das im Text des Urteils nicht explizit erwähnt ist. Das ist ein schwerer Schlag gegen die Legitimation der Republik Ungarn."

» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 9. März 2006

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