Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Montag, 1. September 2008
Profitable Aussöhnung
Bei einem Besuch des libyischen Diktators Muammar al-Gaddafi hat Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi ein Abkommen unterzeichnet, das dem nordafrikanischen Staat Investitionen in Höhe von 3,4 Milliarden Euro zusichert. In dem Dokument entschuldigt sich Italien für das während der italienischen Kolonialzeit erlittene Unrecht. Die Süddeutsche Zeitung sieht das Abkommen als einen Gewinn für beide Länder und Europa. "Das Gaddafi-Regime arbeitet sich weiter aus der internationalen Schmuddelecke heraus. Das energiehungrige Italien sichert sich den Zugriff auf libysches Öl und Gas. Rom hofft zudem auf Hilfe aus Tripolis, um die Menschenschmuggler zu stoppen, die afrikanische Flüchtlinge übers Meer gen Sizilien schicken. Schließlich stärkt Italien durch die Übereinkunft seine Rolle im Mittelmeer - dem mare nostrum der alten Römer. Das alles darf ganz Europa freuen. In Zeiten eines neo-imperialen Russlands und des islamischen Fundamentalismus ist eine Anbindung Libyens allemal ein Gewinn. Darüber hinaus kann die Versöhnung zwischen Italien und Libyen anderen ein Beispiel geben bei der Aufarbeitung der Vergangenheit."
» weiterführende Informationen (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Geschichte, » Wirtschaftspolitik, » Italien, » Libyen
Alle verfügbaren Texte von » Stefan Ulrich
» zur gesamten Presseschau vom Montag, 1. September 2008