Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Mittwoch, 8. Oktober 2008
Imagepflege für Russland
Ein Milliardenkredit für Island wäre gut für das politische Image Russlands, meint die links-liberale Süddeutsche Zeitung. "Den Kreml bringt die Bitte aus Reykjavik in eine sehr angenehme Situation. Nach Monaten europäischer und amerikanischer Vorwürfe wegen der Demütigung und Zerstückelung Georgiens soll ausgerechnet Russland nun zum Retter für die kleine isländische Demokratie werden. Und andere Länder stehen auch schon Schlange. Das hätte kein Kreml-Drehbuch schöner inszenieren können, und es passte wunderbar ins Bild, dass Dmitrij Medwedjew in der ersten Internet-Botschaft eines russischen Präsidenten vor einem High-Tech-Wald aus Bildschirmen und Telefonen zum 'gemeinsamen Handeln' angesichts der weltweiten Krise aufrief. Russland hilft doch gern. Skeptiker vermuten, dass Moskau sich seine Kredite politisch vergelten lassen wolle, durch Einfluss in der Wirtschaft oder die Unterstützung in strittigen Fragen, wie der Georgien-Politik. So würde sich Moskau aus der Defensive sozusagen wieder ins diplomatische Geschäft zurückkaufen."
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