Dnevnik - Bulgarien | Montag, 8. Dezember 2008
Julian Popow über die Rückkehr von Ideologien in der Krise
In Zeiten der Krise treten Ideologien wieder stärker hervor, stellt Julian Popow in der Tageszeitung Dnevnik fest: "In den Sofioter Straßen geht das Gerücht über ein europäisches Gespenst um, das Gespenst des Sozialismus. ... Der Kapitalismus könne die Wohlfahrt nicht bringen, auf die die Menschen nun schon im neunzehnten Jahr warten. Nun wird klar, woher die Probleme kommen: Man habe den falschen Weg genommen, und sei rechts in den Abgrund eingebogen anstatt links zu den Feldern mit der Ernte. ... Die große wirtschaftliche Gefahr, die leider gar kein Gespenst ist, entflammt die Fantasie der Gesellschaft wieder für die Linke und Rechte. ... Das Gerede über eine Renaissance der sozialistischen Idee ist genauso schädlich wie der Treueid auf die rechte Ideologie. Bulgarien steht nicht vor einer Krise, die eine linke oder eine rechte Lösung erfordert. Es steht vor zwei Krisen - die der Katastrophe der Reputation, die Entschlossenheit, Offenheit und Transparenz erfordert, und vor einer wirtschaftlichen, vor der man in Bulgarien nur den Kopf wie ein Strauß in den Sand steckt und die keine Verschwendung duldet. Wenn jemand Wahlen durch linke oder rechte Ideologie gewinnen will, wird er sicherlich linke und rechte Schlafwandler um sich sammeln. Wenn man versucht, durch linke oder rechte Phraseologie mit den Krisen fertig zu werden, dann wird höchstwahrscheinlich sowohl die Wirtschaft als auch das Image Bulgariens platzen."
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