Dnevnik - Slowenien | Dienstag, 23. Dezember 2008
Tanja Lesničar Pučko über den Kapitalismus und Gefängnisse
Die Zahl der Gefängnisinsassen in Europa und in den USA ist seit den 1980er Jahren massiv angestiegen. Vor allem arme Menschen sitzen ein. Das habe System, meint Tanja Lesničar Pučko in ihrer Kolumne auf der Webseite der Tageszeitung Dnevnik: "Die Rhetorik der Machthaber war folgende: unsere Straßen werden immer unsicherer, es gibt immer mehr Taschendiebe, Drogenabhängige und Dealer; dem muss ein Ende gesetzt werden. 'Null Toleranz' lautete die Devise. ... Doch wurde bei der Sorge um die Moral ein kleines Detail verschwiegen: Es war das goldene Zeitalter der kapitalistischen Plünderungen, die den Staat benutzt haben, um Gelder aus gesellschaftlichen Projekten in Kapitalprojekte fließen zu lassen. ... Es folgte der nächste Schritt: Wohin mit all den störenden Elementen, mit den Alkoholikern, Drogensüchtigen und Obdachlosen? ... Die einen bräuchten Therapie (das kostet!), die anderen soziale Unterstützung. Das Gefängnis ... war also die einfachste und billigste Lösung. ... Die Gefängnisindustrie ist aufgeblüht, und die Gelder des Staates sind statt in Programme für Arbeitslose und andere soziale Projekte in den Bau hoher Mauern mit Stacheldrahtzäunen geflossen. Doch die findigen Kapitalisten ... haben private Gefängnisse und Versorgungsunternehmen gegründet, die dem Staat ihre Produkte und Dienstleistungen verkaufen. ... Wer hätte schon Interesse an einer anderen Strafpolitik, wenn man so viel Geld damit verdienen kann?"
» zum ganzen Artikel (externer Link, slowenisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Europa, » USA
Alle verfügbaren Texte von » Tanja Lesnicar-Pucko
» zur gesamten Presseschau vom Dienstag, 23. Dezember 2008