Dnevnik - Slowenien | Dienstag, 13. Januar 2009
Tanja Lesnicar-Pucko über die dunklen Seiten des Kapitalismus
Das Schicksal des deutschen Milliardärs Adolf Merckle, der sich nach dem Zusammenbruch seines Geschäftsimperiums das Leben genommen hat, sei ein Lehrstück des Kapitalismus, schreibt Tanja Lesničar Pučko in der Tageszeitung Dnevnik: "Er [Merckle] verkörperte deutsche Disziplin. Er überließ nichts anderen. Er wusste alles und besser. Mit 30 Milliarden Euro Jahresumsatz war er einer der 100 reichsten Menschen weltweit. Was hat ihn zerstört? Falsche Kalkulationen und Börsenspekulationen. Von der realen Wirtschaft, die ihm viel Geld eingebracht hat, trat er in die virtuelle Welt des Geldverdienens ohne Sicherheit. ... Er war von seiner Macht betrunken. ... Er hat an die Börsenmärchen für naive Anleger geglaubt. ... Auf der anderen Seite steht der Arbeiter, der das Imperium über Jahrzehnte mitaufgebaut hat und mit ihm geatmet hat. ... Nun steht er ohne alles da. Er hat seine Existenzgrundlage verloren. ... Zahlreiche Direktoren haben in den vergangenen Jahrzehnten die Logik eines langsamen aber stetigen Produktionswachstums ... für schnelle und große finanzielle Gewinne eingetauscht. Die soziale Marktwirtschaft wurde durch einen (neo-)liberalen Kapitalismus ersetzt. ... Die neuen Regeln gelten also nur für die Basis. Diese muss sich den neuen Zeiten anpassen, während die Führungskräfte über flexible Arbeit, Arbeitszeit und die Minderung von Rechten etc. weiter daherschwätzen."
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