El País - Spanien | Montag, 19. Januar 2009
Monika Zgustova über Europäer erster und zweiter Klasse
Die Schriftstellerin Monika Zgustova erläutert in der Tageszeitung El País am Beispiel Tschechiens, warum viele Osteuropäer nicht so von der EU überzeugt sind wie die meisten Westeuropäer: "Die Vorstellung, die die Tschechen von ihrer Geschichte haben, welche sie mit anderen ehemaligen mitteleuropäischen sowjetischen Satellitenstaaten teilen, kann man so zusammenfassen: Westeuropa hat ihnen in mehreren Situationen und auf verschiedene Art und Weise den Rücken zugekehrt während die USA ihnen mehrere Male geholfen haben. So sagte der US-amerikanische Präsident [Woodrow] Wilson beispielsweise seine Unterstützung zu, als sich die unabhängige, wohlhabende und demokratische Tschechoslowakei nach dem Ersten Weltkrieg aus den Ruinen Österreich-Ungarns erheben wollte, während Großbritannien und Frankreich trotz militärischer Abkommen keinen Finger krümmten, als Hitler vor Beginn des Zweiten Weltkriegs die Tschechoslowakei besetzte. ... Nach dem Zusammenbruch des Totalitarismus fühlten sich die ehemaligen Sowjetrepubliken erneut zurückgesetzt, diesmal durch ein Europa, das sie - so schien es ihnen - um ihrem Club beizutreten, 15 Jahre lang draußen in der Kälte Schlange stehen ließ und sie mit dem hochmütigen und paternalistischen Blick eines reichen und mächtigen Herren kontrollierte, während die westlichen Firmen die Unternehmen ihres Landes zum Spottpreis aufkauften."
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