Evenimentul Zilei - Rumänien | Freitag, 23. Januar 2009
Der Schriftsteller Mircea Cartarescu über die Erwartungen an Barack Obama
Durch seine fulminante Antrittsrede sei uns der neue US-Präsident Barack Obama als Messias verkauft worden, meint der rumänische Schriftsteller Mircea Cartarescu in der Tageszeitung Evenimentul Zilei. "Seine Botschaft von der universellen Brüderlichkeit ist mit Enthusiasmus in den Palästen und Hütten, in den Moscheen und Synagogen aufgenommen worden. Die Zeremonien und Prozessionen, die bei seiner Machtübergabe zu sehen waren, ähneln nichts anderem, als der Einkehr von Jesus in Jerusalem, auf einem Esel, inmitten von Lobrufen aus der Menschenmenge, die ihm Palmzweige zu seinen Füßen werfen. So wurde der neue Prophet erwartet, der die schlechten Sachen heilt, die sich auf dem scheinbar so wohlhabenden Planeten angehäuft haben. Von Obama wird die Entschleunigung der globalen Erderwärmung ... bis zu hin zum universellen Frieden und einem Ende der globalen Krise erwartet. Amerika - und auch wir - leben in einem Märchen, das seit der glorreichen Zeit von Michael Jackson nicht mehr aufgetaucht ist. Ein fantastisches Märchen, bei dem selbst Hollywood zögern würde, es zu verfilmen. ... Wenn Barack Obama im Weißen Haus bestehen und sich als guter Präsident beweisen will, ist es absolut nötig, dass er diesem medialen Exzess entkommt. Er sollte auf die Rolle des Stars verzichten und die unangemessen Hoffnungen widerrufen, die man in seine zukünftige Verwaltung gesetzt hat. Aber würde das nicht bedeuten, dass er damit auf genau das verzichtet, was ihm zum Erfolg verholfen hat?"
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