Népszabadság - Ungarn | Montag, 2. März 2009
Ákos Szilágyi über die unvollendete Transformation in Ungarn
Der Dichter und Essayist Ákos Szilágyi meint in der Wochenendausgabe der linksliberalen Zeitung Népszabadság, dass 20 Jahre nach der Wende die post-kommunistische Transformation in Ungarn noch immer nicht abgeschlossen sei. "Das System kann nur dann funktionieren, wenn das Gros der Gesellschaft dieses als ihr eigenes System akzeptiert, nicht ideologisch, nicht mit Worten, nicht alle vier Jahre durch die Abgabe des Stimmzettels, sondern mit Taten: mit einem wirtschaftlichen und politischen Verhalten, das das Gemeinwohl respektiert, mit einem ehrbaren bürgerlichen Lebenswandel, der Kriminalität und das Waten im Sumpf von Kleptokratie und Korruption ausschließt, mit Zivilcourage, mit der Bereitschaft zur Kooperation und mit tatkräftiger Solidarität gegenüber den Bedürftigen der Gesellschaft. ... Da in Ungarn in diesem Sinne ein in seinen Grundfesten konsolidiertes System schlechterdings nicht zustande gekommen ist, kann auch der staatliche Betrieb nicht stabil, berechenbar und reibungslos funktionieren. ... Die ungarische Systemkrise, die von der derzeitigen Weltwirtschaftskrise verschärft wird, ist darauf zurückzuführen, dass der Prozess des ungarischen Systemwechsels - im Gegensatz zu dem in vielen anderen Ländern der ostmitteleuropäischen Region - unabgeschlossen geblieben ist."
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