Die Zeit - Deutschland | Freitag, 20. März 2009
Ulrich Beck fordert eine Neuerfindung der EU
Wenn es Europa nicht schon gäbe, müsste man es neu erfinden, schreibt der Soziologe Ulrich Beck in der Wochenzeitung Die Zeit: "Gerade die Krise könnte verwandelt werden in eine Neubegründung der Europäischen Union. Europa stünde dann für eine neue Realpolitik politischen Handelns in der Weltriskiogesellschaft. In der vernetzten Welt muss die zirkuläre Maxime nationaler Realpolitik - nationale Interessen müssen national verfolgt werden - ersetzt werden durch die Maxime kosmopolitischer Realpolitik: Unsere Politik ist national umso erfolgreicher, je europäischer, je kosmopolitischer sie ist. Die Lage spitzt sich zu: entweder Mehr-Europa oder Nicht-Europa. Dieser Imperativ des möglichen Scheiterns begründet die Hoffnung à la baisse: Nur eine durch die Krise erneuerte EU kann im Zusammenspiel mit der neuen US-Weltoffenheit [Barack] Obamas glaubwürdig und wirkungsvoll die Regulierung der Finanzmärkte einfordern. Schon das Gipfeltreffen der zwanzig wichtigsten Industriestaaten [in London] im April könnte die Wende zu dieser kosmopolitischen Realpolitik bringen."
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