Le Soir - Belgien | Samstag, 18. April 2009
William Bourton über die Rückkehr der Intellektuellen in die Politik
Am vergangenen Wochenende haben die zwei belgischen Universitätsprofessoren, Philippe Van Parijs und Paul De Grauwe, die Gründung eines Think Tank angekündigt, der sich Gedanken über die Zukunft der belgischen Bundesinstitutionen machen soll. William Bourton setzt sich in der Tageszeitung Le Soir mit der Rolle der Intellektuellen im politischen Leben auseinander: "Wie kann man die Agenda von Intellektuellen, die langfristig arbeiten, und den Terminkalender von Politikern in Übereinstimmung bringen? [Politiker] fordern tatsächlich 'Feedback' innerhalb von vier Jahren, und für sie stellt die nächste Wahl einen nicht überschreitbaren Horizont dar. ... Nachdem die Intellektuellen in den politischen Auseinandersetzungen der 1960er und 70er Jahre allgegenwärtig waren und ihre Stimme und Unterstützung unterschiedlichen politischen Strömungen gegeben hatten, zogen sie sich weitgehend in ihren Elfenbeinturm zurück. Warum? Erstens, weil sie sich oft geirrt haben. Ein glänzender Phänomenologe zu sein bedeutet nicht, über besondere Fähigkeiten in angewandeter Politik zu verfügen. Anschließend hat der ideologische Umschwung am Ende der 1970er Jahre - die liberale Gegenoffensive - die sozialen Bewegungen geschwächt. Ohne diesen sozialen Schmierstoff zog sich der Intellektuelle wieder in seine Hochburg zurück: Die Universität. Die deutlichste Auswirkung bei den Professoren besteht in einem beruflichen Rückzug: Der Spezialisierung. ... Philippe Van Parijs (und Paul De Grauwe) scheinen diese Funktion nicht zu leugnen. Nur wollen sie nicht mehr darauf warten, dass man bei ihnen anfragt, und sich mit Kollegen aus anderen Wissensgebieten umgeben."
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