Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Montag, 12. Juni 2006
Zafer Senocak über das Ghetto des 21. Jahrhunderts
Publizist Zafer Senocak analysiert, warum den Deutschen die Integration von türkischen Migranten nicht gelingt. Oft werde zur Verdeutlichung der Abgrenzung der Begriff "Ghetto" verwendet. "Doch wie sieht ein Ghetto des 21. Jahrhunderts aus? Die vernetzte Isolation, in die sich Angehörige einer Volksgruppe begeben, ist grundverschieden von der angeordneten Abschottung früherer Epochen... Die so genannten Ghettos von heute sind von sich aus offene und heterogene Gebilde. Es leben in ihnen religiöse Eiferer und Gottlose, Familien und Singles, und nirgendwo ist nur eine einzige ethnische Gruppe allein. Es sind nicht die Insassen, sondern die Außenstehenden, die dort jenes Schloss anbringen, das jeden Einblick verwehrt. Darin drückt sich die Sehnsucht nach Abschottung vor den Fremden aus, man fühlt sich unterwandert, und in die berechtigte Kritik an archaischen Lebensweisen und autoritären Familienstrukturen mischen sich fremdenfeindliche Denkmuster und rassistische Vorbehalte."
» zur Homepage (externer Link, Süddeutsche Zeitung)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Integration, » Minderheiten, » Deutschland
Alle verfügbaren Texte von » Zafer Senocak
» zur gesamten Presseschau vom Montag, 12. Juni 2006