La Repubblica - Italien | Dienstag, 23. Juni 2009
Der Gedächtnisschwund der Moral
Die italienischen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten RAI und RAI 1 haben in den vergangenen Tagen keinen einzigen Bericht über die Ermittlungen gegen [Ministerpräsident Silvio] Berlusconi wegen dessen angeblicher Privatfeiern mit Prostitution und Drogen ausgestrahlt, kritisiert die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "In einem vom Fernsehen beherrschten Land, in dem die Politik von den Bildern der Tagesschau ersetzt wird, wird die Unterlassung der Information zum Skandal im Skandal. ... In einem Klima der zeitweiligen Aufhebung der Moral ... besteht die Gefahr, dass der ethische Gedächtnisschwund zum realen Zustand eines demokratischen und zivilen Defizits wird. Am Ende hat das doppelte Maß - eines für Berlusconi, das andere für das Volk - einen Preis. Die Voraussetzungen für eine Untertänigkeit sind schon geschaffen. Die Glaubwürdigkeit eines ganzen Systems in seiner institutionellen Dimension schwindet dahin. Was bleibt, ist die Überheblichkeit der Macht und des Schauspiels, dass sie sich in der Sicherheit der Unstrafbarkeit inszeniert hat. In der Hypnose der Verdunklung des Bildschirms werden wir es sein, die den hohen Preis zu zahlen haben."
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