Trouw - Niederlande | Donnerstag, 30. Juli 2009
Rob de Wijk über Europa in der Führungskrise
Europa steckt in einer Führungskrise, meint der Professor für Internationale Beziehungen und Kolumnist der überregionalen Tageszeitung Trouw, Rob de Wijk. Das Versprechen, aus Europa eine dynamische Wirtschaftsmacht zu machen, sei nicht eingelöst worden: "Liegt das an der Brüsseler Führung? Sicher nicht. Die Erklärung ist mangelnde nationale Führung, wodurch Brüssel flügellahm wurde. ... Der Untergang der Lissabon-Strategie unterstreicht die Argumente der Kritiker von Europa. Es passierte genau das, was sie wollten: Nationale Politik auf der Basis von freiwilliger 'sanfter' europäischer Leitung oder 'offener Koordinierung'. Die Regierungen der Mitgliedsstaaten ließen sich aber nicht koordinieren und machten die Union und ihre Bürger zu Opfern. Der frühere [niederländische] Ministerpräsident [Wim] Kok, Vorsitzender einer Arbeitsgruppe, die sich 2004 mit der Zukunft der Lissabon-Strategie befasste, stellte fest, dass der Plan doch ausgeführt werden müsse. Wenn nicht, dann werde Europa noch weiter zurückbleiben. Kok empfahl, alle Karten auf den Ausbau der Wissensgesellschaft zu setzen, auf die Vollendung des internen Marktes sowie die Verbesserung des Unternehmensklimas und des Arbeitsmarktes - und dabei die Umwelt nicht zu vergessen. Dies ist nötiger denn je, aber unmöglich zu erreichen, wenn die Europaskepsis nicht bekämpft wird."
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