L'Express - Frankreich | Mittwoch, 19. August 2009
Jacques Attali über Verschwörungstheorien in der Wirtschaftskrise
Im Wochenmagazin L'Express kommentiert der französische Wirtschaftswissenschaftler und Autor Jacques Attali die Verschwörungstheorien, die derzeit als Erklärung für die globale Finanz- und Wirtschaftskrise kursieren: "Jedes Mal, wenn sich etwas Beachtliches und Undurchschaubares ereignet, suchen die Menschen nicht nur einen Verantwortlichen, sondern zudem, wenn sie Opfer sind, auch einen Schuldigen. Und im Allgemeinen begnügen sie sich nicht mit einem Motiv. Sie brauchen eine Verschwörung. Die Idee ist immer verführerisch: Eine Verschwörung lässt uns denken, dass das Unerklärliche seine Quelle in einer geheimnisvollen, feigen, verdeckten, globalen, zusammenhängenden Aktion hat, die lange im Voraus von einer kleinen Gruppe von Drahtziehern im Verborgenen organisiert wurde. Um das Problem zu lösen, würde es reichen, diese [Drahtzieher] loszuwerden. Heute hat die Verschwörungstheorie bei der Erklärung der Wirtschafts- und Finanzkrise großen Erfolg. ... Wenn es tatsächlich eine Verschwörung gibt, dann folgende: jede Macht, jede Interessengruppe, wie moribund auch immer, besonders die moribunde, braucht eine solche [Verschwörung], um sich am Leben zu erhalten, um den Dingen einen Sinn zu geben, die man nicht erklären kann."
» zum ganzen Artikel (externer Link, französisch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Internationale Beziehungen, » Alltagskultur, » Global
Alle verfügbaren Texte von » Jacques Attali
» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 20. August 2009