La Repubblica - Italien | Freitag, 4. September 2009
Rufmord an Berlusconi-Kritiker
Der Chefredakteur der italienischen Tageszeitung Avvenire und Kritiker des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, Dino Boffo, ist am Donnerstag zurückgetreten, nachdem ihm das Berlusconi-Blatt Il Giornale Homosexualität und die Belästigung der Frau seines Liebhabers vorgeworfen hatte. Dazu schreibt die linksliberale Tageszeitung La Repubblica: "Mit einer Lüge, die nichts mit Journalismus zu tun hat, ... sondern mehr mit einer sowjetischen Technik der Desinformation, die Journalismus zur Verleumdung macht, ist Dino Boffo öffentlich ermordet worden. Die angelsächsische Welt hat ein Wort, um das zu beschreiben, was dem Chefredakteur der [Tageszeitung] Avvenire gestern passiert ist: character assassination, Rufmord. … Jetzt, wo es eine Leiche gibt, läuft es einem bei dem Gedanken kalt über den Rücken, dass in Berlusconis unglücklichem Land bereits eine vorsichtige Kritik oder eine bedächtige Missbilligung bedeuten, dass man den höchsten Preis zahlen muss: das moralische und berufliche Ende. … Wer in Italien nichts sehen will und es vorzieht, die Augen zu verschließen, macht sich der Mittäterschaft mit den Mördern schuldig, und mit demjenigen, der den Rufmord in Auftrag gegeben hat."
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