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L'Espresso - Italien | Donnerstag, 13. Juli 2006

Eugenio Scalfari über die Freiheit des Willens

Eugenio Scalfari, Gründer der Tageszeitung La Repubblica, denkt über den Begriff des freien Willens nach und darüber, welche Bedeutung ihm die Religion beimisst. "Nicht alle Religionen basieren auf dem freien Willen. Aber er ist eine der Grundlagen, oder vielmehr die wichtigste Grundlage des katholischen Denkens. Wenn der Mensch nicht frei wäre, zwischen Gut und Böse zu wählen, fiele eine ganze Reihe von Postulaten, die die Essenz des Christentums ausmachen, in sich zusammen. Wenn es keine Unterscheidung zwischen Gut und Böse gäbe, gäbe es auch nicht den Begriff der Sünde und die Idee der Gerechtigkeit - und damit auch nicht den Begriff des Jüngsten Gerichts; nicht die Eschatologie des Heils - und damit auch nicht die Konzepte von Moral und Gnade; nicht das Mysterium der Dreieinigkeit, und damit auch nicht all die anderen Postulate, auf die sich die Kirche in ihrer Entwicklung stützt: die Menschwerdung, die Kreuzigung, die Auferstehung der Toten und das Sakrament des Abendmahls... Der freie Wille ist die wunderbare Erfindung des stolzen menschlichen Geistes, arrogant und auf sich selbst gerichtet."

» zur gesamten Presseschau vom Donnerstag, 13. Juli 2006

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