Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Donnerstag, 13. Juli 2006
Sonja Margolina über Russlands imperiale Strategie
Die sprudelnden Ölquellen und die damit einhergehende finanzielle Potenz beleben in Russland untergegangene Großmachtträume, warnt Sonja Margolina. "Die Verbindung zwischen Naturressourcen und politischer Größe, genauer zwischen Geographie und Herrschaft, gehört zur russischen politischen Philosophie, die älter ist als die heutige Machtstrategie. Nachdem Russland Anfang des 18. Jahrhunderts in militärische Konkurrenz zu den Westmächten getreten war, wurde 'Geographie' zur wichtigsten Machtressource. Die russischen Herrscher leiteten ihr Überlegenheitsgefühl gegenüber Europa vom Besitz einer schier unendlichen Landmasse ab und schufen eine Ideologie, die den Raum nicht nur zum Bestandteil der kollektiven Identität erhob, sondern ihm auch eine metaphysische Dimension zusprach."
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