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Dilema Veche - Rumänien | Montag, 28. September 2009

Martin Šimečka über die Bewältigung der kommunistischen Vergangenheit

Nach dem Ende der sozialistischen Diktaturen habe es die Hoffnung gegeben, dass Mitteleuropa die westliche politische Welt mit neuen Ideen bereichern könne, schreibt der slowakische Journalist Martin Šimečka in der Wochenzeitung Dilema Veche. Diese Hoffnung sei nicht erfüllt worden: "Die Auseinandersetzungen der letzten 20 Jahre deuten, so scheint mir, auf eines hin: dass wir noch immer nicht frei sind. Wir alle, die zumindest einen Teil unseres Erwachsenenalters unter dem Kommunismus gelebt haben, sind in einem Ausmaß von der Vergangenheit gezeichnet, dass wir vielleicht nie in der Lage sein werden, in der Sprache einer normalen freien Welt darüber zu reden. Möglicherweise können wir den Mutigen vom Feigen unterscheiden und die Opfer von den Tätern, nicht aber zwischen jenen, die frei sind, und solchen, die es nicht sind. Die Kategorie eines freien Menschen gab es unter dem kommunistischen Regime schlicht nicht. Missachtung, Widerstand oder Versuche, ein paralleles Leben außerhalb des Systems zu führen, sind vielleicht Zeichen von Sehnsucht nach Freiheit, für die Freiheit selbst stehen sie nicht. ... Dennoch bin ich, was eine Diskussion allfälliger Werte betrifft, die Zentraleuropa dem Westen anzubieten hat, überzeugt, dass wir zuerst den Mut finden müssen, auf das Offensichtliche zu schauen. Und offensichtlich haben wir die letzten 20 Jahre nicht dazu genützt, diesen Mut zu finden."

» zur gesamten Presseschau vom Montag, 28. September 2009

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