Les Echos - Frankreich | Montag, 11. Januar 2010
Dominique Moïsi kritisiert europäische Türkei-Politik
Die Türkei hat auch für ihre Bürger Reisefreiheit gefordert, nachdem die EU die Visapflicht für Serbien, Mazedonien und Montenegro im Dezember aufgehoben hatte. Dominique Moïsi, Berater des Instituts für internationale Beziehungen (IFRI), warnt in der Tageszeitung Les Echos vor einer Vernachlässigung der Türkei: "'Wir werden das Deutschland haben, das wir verdienen'. So äußerte sich 1945 der visionäre [französische Historiker] und KZ-Überlebende Joseph Rovan. Er beschrieb damit die Herausforderung vor der Frankreich, Europa und die gesamte internationale Gemeinde standen. Darf der Ausdruck von Joseph Rovan heute für die Türkei verwendet werden, oder bedeutet er eine künstliche und sogar gefährliche Annäherung, eine historische Vereinfachung? Obwohl die Debatte um den EU-Beitritt der Türkei heute nicht mehr so spektakulär im Rampenlicht steht wie gestern, quält sie die verantwortlichen Geister noch immer. Es ist kein Thema, das mit Verachtung behandelt werden kann, indem man hofft, dass es von selbst verschwinden wird. ... Die Türkei von 2010 ist nicht mehr die von 2000. Ihre regionalen Ambitionen nehmen nach und nach zu und die Hoffnungen, eines Tages der Union beizutreten, verschwinden."
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