La Repubblica - Italien | Dienstag, 19. Januar 2010
Craxi hat Korruption organisiert
Vor zehn Jahren ist Italiens sozialistischer Ex-Ministerpräsident Bettino Craxi im tunesischen Exil gestorben. Er war nach seiner Verurteilung wegen Korruption dorthin geflohen. Sowohl Italiens konservativer Regierungschef Silvio Berlusconi als auch der ex-kommunistische Staatschef Giorgio Napolitano versuchen Craxi jetzt als Justizopfer zu rehabilitieren, weshalb die linksliberale Tageszeitung La Repubblica einen Brief von Napolitano an Craxis Witwe Anna kritisiert: "Der Präsident beruft sich auf ein 'Mitgefühl', das nicht nur private Tugend ist, sondern Gründungselement einer Demokratie, in der verschiedene Bewertungen nebeneinander existieren, die nicht immer von allen geteilt werden und nicht immer teilbar sind, die das 'Mitgefühl' mit dem milden Licht der virtuosen Toleranz umgibt. Toleranz ist aber nicht gleich Vergessen. Das ist nämlich unvereinbar mit Demokratie, wenn es die Vergangenheit verändert und mystifiziert und Gefahr läuft, die Gegenwart zu verschleiern und die Zukunft zu kompromittieren. … Craxi war nicht nur ein passiver Nutznießer des Bestechungssystems, sondern ein aktiver Organisator."
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