La Croix - Frankreich | Montag, 22. Februar 2010
François Ernenwein vermisst ein soziales Europa
Die zahlreichen Arbeitskämpfe in Europa lassen François Ernenwein, den Chefredakteur der katholisch geprägten Tageszeitung La Croix, an der Gerechtigkeit in Europa zweifeln: "Es gibt kein soziales Europa. Aber die soziale Frage quält Europa. Wie kann man - ohne sich absichtlich blind zu stellen - nicht sehen, dass der Kontinent von der Druckwelle der Finanzkrise, die 2008 zur Wirtschaftskrise wurde, inzwischen voll erfasst wurde? Selbst wenn viele Wirtschaftsindikatoren 2010 ermunternd klingen, ist dies nicht der Fall für die Arbeitsindikatoren. Verzögerungseffekt, heißt es. Aber währenddessen tauchen von Berlin bis Paris, von Athen bis Lissabon Konflikte um das Lohnniveau oder die Lage auf dem Arbeitsmarkt auf. Deutschland hat die Frage des Mindestlohns erneut zur Sprache gebracht. Ein Streik bedroht die Fluggesellschaft Lufthansa. In Frankreich war die Spannung deutlich, nachdem die Schließung der Produktionsstätte Total in Dunkerque Ende letzter Woche angekündigt wurde. ... Das Wort Regulierung, das in diesen Krisenzeiten im Aufwind ist, hat nun den globalen Wirtschaftsraum gestürmt. Es muss nur noch ein bisschen sozialer werden."
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