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Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Freitag, 25. August 2006

Sonja Margolina über den russischen Sonderweg

Die Publizistin Sonja Margolina stellt fest, dass sich die russischen Intellektuellen von den Werten des Westen abwenden. Vorbilder sucht man sich jetzt anderswo: "Die postsowjetische Gesellschaft sehnt sich nicht nach Nächstenliebe, sondern nach dem Glück, dessen Versprechen die verfälschte Demokratie der neunziger Jahre nicht eingelöst hat, und dem nun durch das Öl der erstarkte Autoritarismus Glaubwürdigkeit verleiht. Auf die Verlierer der neuen Weltordnung üben jene Weltakteure eine magische Anziehung aus, die keinerlei normative Forderungen an andere Staaten stellen, zugleich aber schwindelerregende Erfolge vorweisen, wie etwa China. Das chinesische Wunder führt vor Augen, dass es keinen zwingenden Zusammenhang zwischen Erfolg und 'westlichen' Werten gibt: fehlende Freiheiten und korrupte Institutionen mindern das Glücksversprechen nicht. Neben den amerikanischen Fehltritten und der europäischen Abstinenz hat die neue Erfahrung eines andersartigen Erfolgs, einer nichtwestlichen Stärke eine Schwächung prowestlicher Orientierung zur Folge... Chinas Erfolg legitimiert den russischen Sonderweg: jenseits vom Westen."

» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 25. August 2006

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