Gazeta Wyborcza - Polen | Dienstag, 29. August 2006
Geheimdienstkontakte von Dissidenten
Die Tageszeitung "Zycie Warszawy" hat am Montag einen Artikel veröffentlicht, in dem sie Jacek Kuron (1934-2004) - einem ehemals führenden Dissidenten und "Solidarnosc"-Aktivisten - vorwirft, in den 1980er-Jahren Verhandlungen mit dem kommunistischen Geheimdienst geführt zu haben. Diese "Enthüllungen" eines jungen Historikers des Instituts für Nationales Gedenken kommentieren viele Zeitungen als weiteres Detail einer revisionistischen Geschichtspolitik, im Zuge derer die Leistungen wichtiger Gestalten der jüngsten Vergangenheit durch angebliche IM-Verstrickungen in Zweifel gezogen werden. Lech Walesa kommentiert die Vorwürfe im Gespräch mit Maciej Sandecki: "Kuron hat in meinem Auftrag gehandelt. Verhandlungen führten damals rund zwanzig Menschen, unter ihnen Lech und Jaroslaw Kaczynski. Wir hätten damals selbst mit dem Teufel verhandelt, wenn es unserer Sache, dem Streben nach Freiheit, genützt hätte. Die nun präsentierten Unterlagen können nur von jemanden als 'sensationell' eingestuft werden, der das System nicht kannte. Er sollte nach Kuba oder Nordkorea fahren und versuchen, dort den Kommunismus zu stürzen. Dann würde er sehen, mit wem man es zu tun bekommt."
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